Der Leipziger Rats(wein)keller im Haus „Zur goldenen Schlange“

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Der heutige Ratskeller wurde im Jahr 1904 im „neuen Rathaus“ eröffnet. Angefangen hat seine Geschichte jedoch in einer anderen Zeit an einem anderen Ort.

Der Stadtrat erhielt viele Beschwerden über gepanschte Weine in den Weinstuben. Weinhändler streckten ihre Weine vor Auslieferung und die Schenken hauten auch noch ein paar Liter in das Fass. Das Prekäre an der Sache – Leipzig hatte einen Ruf als vorbildliche Messestadt zu verlieren. Der Rat machte kurzen Prozess und eröffnete 1563 eine stadteigene Weinstube, die Ratsweinstube im Haus „Zur goldenen Schlange“.

Um 1500 herum wurden die Leipziger Bürgerhäuser und Markthallen überwiegend in Fachwerkbauweise errichtet, architektonisch lebte Leipzig im Mittelalter. Das sollte sich ändern, als im Jahr 1523 ein neues Haus an der nordwestlichen Ecke des Marktes das Licht der Welt erblickte: das Haus „Zur goldenen Schlange“, der erste Renaissancebau in Leipzig

Der aus Nürnberg kommende Hieronymus Walther war für die Augsburger Familie der Welser als Faktor tätig und benötigte für die neue Handelsniederlassung in Leipzig ein respektables Gebäude. Da die Leipziger Architekten keine Erfahrungen mit Renaissancebauten hatten, beauftragte er seinen Schwiegersohn (Hans von Schönitz) mit der Angelegenheit, welcher zuvor in Halle ein ähnliches Gebäude erbaute.

Die Schlange am Giebel bezieht sich auf eine Geschichte aus dem Alten Testament, dem Auszug aus Ägypten. Moses sein Gefolge wurde immer unruhiger und fragte ihn: „Warum durch die Wüste irren um von Schlangen getötet zu werden, wenn wir das in Ägypten einfacher hätten haben können?“. Gott gab daraufhin Moses den Befehl eine kupferne Schlage zu fertigen um sie auf eine hölzerne Stange zu befestigen. Diese Schlange sollte von nun an jeden heilen der von einer Schlange gebissen wurde.
Die Schlange am „Haus zur goldenen Schlange“ sollte die Gäste und Geschäfte des Handelshauses segnen.

Warum die Stadt Leipzig gerade in dieser Immobilie ihre Ratsweinstube eröffnete? Nun, zufälligerweise war der Eigentümer, Hieronymus Walther, von 1512 bis 1536 Ratsmitglied im Stadtrat. Seilschaften sind keine Erfindung der Neuzeit.

In den Jahren 1747 bis 1750 ließ der Leipziger Kaufmann Gottlieb Barthel Grundstücke um den heutigen „Barthels Hof“ aufkaufen und einen für die damalige Zeit modernen Messehof erbauen. Das Haus „Zur goldenen Schlange“ blieb erhalten, integrierte sich nahtlos in den damaligen Neubau.

Neue Zeiten brachten neue Mitbewerber hervor. Ab 1700 stiegen die Einwohnerzahlen, die Stadt festigte ihren Ruf als internationale Handelsstadt und Markthallen, Passagen sowie Weinkeller schossen wie Pilze aus dem Boden. Dieser Druck wurde für die Ratsweinstube zum Problem. Die Ratsweinstube verlor stetig an Bedeutung, die Verpachtung wurde 1811 aufgegeben. Ab 1811 wurde der Ratsweinkeller unter anderer Bewirtschaftung weitergeführt und letztendlich 1826 aufgegeben. Es sollte jedoch nicht das Ende sein.