Vorurteil – Polen klauen alles

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Klauen Polen wirklich mehr als andere Nationalitäten? Wer kennt nicht all die vielen „Polen-Witze“? Wer hatte nicht Angst mit dem Auto nach Polen zu fahren, nur um festzustellen das die Radkappen oder gar das ganze Auto geklaut wurde?

Ersatzteilbesorgung in Polen

Auf der Rückreise fanden wir dank Smartphone und mobilen Internet eine Seite mit „Polen-Witze“ und schüttelten uns teilweise vor Lachen. Der Grund: Wir sahen einen Polen, welcher mitten am Tag zu Fuß von einer einsamen Landstraße auf einen Rastplatz zu steuerte. Das ungewöhnlich war – er trug einen Kotflügel unter dem Arm um ihn wohl an sein eigenes auf dem Rastplatz geparktes Auto zu bauen. Was gäbe es wohl sonst für eine Erklärung – in Polen? Wer besorgt sich in der Pampa zu Fuß einen Kotflügel und geht zu einen Parkplatz? Üblicherweise sitzt der Mann am Steuer seines Autos und der Kotflügel liegt im Kofferraum. Es sei, das Auto steht mit einem Blechschaden auf dem Parkplatz und kann in diesem Zustand nicht weiter fahren. Vielleicht gab es eine ganz einfache Erklärung, aber wir fanden keine und dachten eher an den Witz: „Was heißt Autoschlüssel auf Polnisch? Brecheisen.“

Ein Artikel im FOCUS Magazin vom März 2008 warb mit der Schlagzeile: „Freie Fahrt für Diebe!“. Seitdem am 21. Dezember 2007 die direkten Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze wegfielen, hat sich in Görlitz die Zahl der Autodiebstähle im Vergleich zum Vorjahr mehr als verzwanzigfacht. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass über diese Grenze Straftäter andere Nationalitäten ebenfalls in die besagte Region einfielen.

Ein Auswertung der Polizei kam 9 Jahre später (2017) zum Schluss, dass unter den ausländischen Tatverdächtigen Polen nur mit 26 Prozent beteiligt sind und das Bild der „klauenden Polen“ zahlenmäßig relativiert wird. Die restlichen Prozente fallen auf alle anderen Nationalitäten im Bereich PKW-Diebstahl.

Was ist nun mit diesem Vorurteil ? Wir wurden persönlich weder bestohlen noch fanden wir unser Auto ohne Räder aufgebockt auf dem Parkplatz.

Bei unserer Ferienwohnung war das ganze Haus mit Kameras überwacht. Der Außenbereich, das Treppenhaus, das Tor. Das elektrisch öffnende Tor konnte von einer entfernten Zentrale aus betätigt werden. In das Haus gelangte der Gast nur mit einem Transponder, einem elektronischen Schloss ohne mechanischen Schlüssel.
Auf den ersten Blick dachten wir: „Respekt, unsere Gastgeber in Auschwitz sind ja moderner als wir in Leipzig!“.
Danach durchsuchten wir aber erst einmal die angemieteten Räume nach versteckten Kameras. Nicht wegen möglicherweise später im Internet verbreiteten Urlaubsvideos mit „Mama-auf-WC“ Motiven, sondern aufgrund der Möglichkeit Gäste auszuspionieren um sie gezielt zu bestehlen.

Um unsere polnischen Gastgeber zu entlasten – solche Gedanken kommen mir an allen Orten mit einer derart ausgeprägten „Verkabelung“.